22.04.2022

Neuer Technikkatalog hilft bei der kommunalen Wärmeplanung

KEA-BW stellt Fachwissen für Planerinnen und Planer bereit

Neuer Technikkatalog hilft bei der kommunalen Wärmeplanung

KEA-BW stellt Fachwissen für Planerinnen und Planer bereit

Die kommunalen Wärmepläne sollen dazu beitragen, den Energieverbrauch des Gebäudebestandes in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu gestalten. ©Alexander & Theresia Schulz – stock.adobe.com
Die kommunalen Wärmepläne sollen dazu beitragen, den Energieverbrauch des Gebäudebestandes in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu gestalten. ©Alexander & Theresia Schulz – stock.adobe.com

In Baden-Württemberg müssen seit gut einem Jahr alle 104 großen Kreisstädte und Stadtkreise in die kommunale Wärmeplanung einsteigen. Ein am 9. März 2022 erschienener Technikkatalog bietet Fachplanerinnen und Fachplanern Unterstützung: Sie finden hier wichtige Grundlagen zur Erstellung und Fortschreibung der Wärmepläne und der darin verankerten Maßnahmen.

Die kostenfreie Veröffentlichung gibt einen Überblick über verschiedene Heiztechnologien, Wärmespeicher und die effiziente Verteilung von Wärme. Hinzu kommen Tabellen unter anderem mit Investitionskosten, Preisentwicklungen für unterschiedliche Energieträger sowie der künftigen Höhe der CO2-Bepreisung. Die Daten und Prognosen sollen helfen, Eignungsgebiete für die Wärmeversorgung mit Wärmenetzen oder Einzelheizungen auszuweisen, das klimaneutrale Zielszenario zu erstellen und Maßnahmen zur Umsetzung zu benennen – und das landesweit einheitlich. Die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) hat das Fachwissen im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg zusammengetragen.

Klimaneutrale Wärmeversorgung wird angestrebt

Die kommunalen Wärmepläne sollen dazu beitragen, den Energieverbrauch des Gebäudebestandes in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu gestalten. Die Wärmeplanung beginnt mit einer systematischen Analyse des heutigen und zukünftigen Wärmebedarfs vor Ort, beziffert die Potenziale erneuerbarer Energien, Abwärme und Kraft-Wärme-Kopplung und weist Eignungsgebiete für Wärmenetze sowie eine dezentrale Wärmeversorgung aus. Außerdem werden Maßnahmen erarbeitet, mit denen sich der Wärmebedarf klimaneutral decken lässt.


Die kommunalen Wärmepläne sollen dazu beitragen, den Energieverbrauch des Gebäudebestandes in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu gestalten. © KEA-BW / AdobeStock

 

Jede Kommune entwickelt hier einen individuellen Wärmeplan, der auf die Bedingungen vor Ort zugeschnitten ist. Seine Ergebnisse und Handlungsvorschläge dienen dem Gemeinderat, den Fachabteilungen, Energieunternehmen sowie allen Ausführenden als Grundlage für die weitere Stadt- und Energieplanung.

Umweltministerin Thekla Walker betont: „Eine kommunale Wärmeplanung ist die strategische Grundlage für einen gelungenen Übergang von der fossilen hin zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung. Der Technikkatalog ist – neben dem Handlungsleitfaden kommunale Wärmeplanung, regionalen Beratungsstellen sowie der Beratung durch die KEA-BW – eine weitere Unterstützungsleistung des Landes für die Kommunen, die diese wichtige Aufgabe zu stemmen haben.“ Das Land möchte laut Ministerin Walker aus den einzelnen Wärmeplänen Erkenntnisse für die landesweite Entwicklung der Wärmeversorgung gewinnen. „Dafür ist es wichtig, dass die Wärmepläne vergleichbar sind und Aussagen auf gleichen oder ähnlichen Annahmen basieren. Das schaffen wir mit dem Technikkatalog.“

Großer Bedarf an verlässlichen Planungsgrundlagen

Die kommunale Wärmeplanung sorgt bei Fachleuten für einen großen Bedarf an verlässlichen Planungsgrundlagen. Mit dem Technikkatalog unterstützt sie das Land Baden-Württemberg dabei: Die darin vorgestellten Kennwerte sowie der bereits existierende Handlungsleitfaden „Kommunale Wärmeplanung“ sollen ein hohes Maß an Standardisierung der Methodik und Vergleichbarkeit bei der Erstellung und Fortschreibung der kommunalen Wärmepläne ermöglichen. Ziel des neuen Technikkatalogs ist es, dass alle verpflichteten Stadtkreise und großen Kreisstädte sowie alle freiwillig planenden Gemeinden und Planungskonvois robuste Wärmepläne ausarbeiten und umsetzen können. Das soll landesweit mit einem systematischen Vorgehen geschehen.

Der Technikkatalog besteht aus einer Einführung und einem umfangreichen Tabellenwerk mit insgesamt 31 Kategorien und 200 Tabellen. Sie beinhalten CO2-Emissionsfaktoren für die Strom- und Wärmeerzeugung aus verschiedenen Prozessen, Annahmen zur Preisentwicklung verschiedener Energieträger und CO2, Technologien zur dezentralen und zentralen Erzeugung, Speicherung und Verteilung von Wärme und Angaben zu Endenergieverbräuchen von Gebäuden nach Baualtersklassen.

Die zusammengetragenen Kennwerte und Annahmen spiegeln den aktuellen wissenschaftlichen und technischen Kenntnisstand wider und werden laufend aktualisiert. Die Landesenergieagentur KEA-BW hat den Technikkatalog mit Beteiligung wissenschaftlicher Institutionen, Dienstleistungsunternehmen im Bereich kommunale Wärmeplanung sowie Verbänden, Kammern und Energieversorgern erstellt. Noch in diesem Jahr soll der Katalog auf Basis der ersten Praxiserfahrungen weiterentwickelt werden.

Zum Technikkatalog

Weitere Informationen

Das Klimaschutzgesetz Baden-Württemberg verpflichtet die großen Kreisstädte und Stadtkreise, bis zum 31. Dezember 2023 einen kommunalen Wärmeplan vorzulegen. Er wird vom Land finanziert. Den übrigen Gemeinden steht ein Förderprogramm für die freiwillige kommunale Wärmeplanung zur Verfügung.

Ausbau von Wärmenetzen: Ein mögliches Ergebnis der kommunalen Wärmeplanung. © KEA-BW / triolog

 

Neben dem Technikkatalog gibt es auch einen Handlungsleitfaden des Umweltministeriums zur kommunalen Wärmeplanung. Er stellt allen Fachplanerinnen und -planern einen standardisierten Lösungsweg zur Erstellung des kommunalen Wärmeplans vor. Die Anwendung der dort beschriebenen Methodik erlaubt neben der systematischen Erstellung auch die Fortschreibung des kommunalen Wärmeplans. Das Vorgehen im Südwesten kann als bundesweite Blaupause für die kommunale Wärmeplanung dienen. Das Kompetenzzentrum Wärmewende der KEA-BW berät als erste Anlaufstelle Gemeinden in Baden-Württemberg zu allen Fragen der kommunalen Wärmeplanung und hält eine vielfältiges Unterstützungsangebot bereit.

Über die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW)

Die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH ist die Energieagentur des Landes. Aufgabe der KEA-BW ist die aktive Mitwirkung an der Klimaschutzpolitik in Baden-Württemberg: Sie berät Ministerien, Kommunen, kleine und mittelständische Unternehmen sowie kirchliche Einrichtungen bei Energieeinsparung, rationeller Energieverwendung und der Nutzung erneuerbarer Energien. Der Sitz der KEA-BW ist in Karlsruhe.

Die fünf Kompetenzzentren „Kommunaler Klimaschutz“, „Wärmewende“, „Energiemanagement“, „Contracting“ und „Zukunft Altbau“ der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH erstellen Informationsmaterialien und verbreiten sie, bieten kostenfreie Impulsberatungen an, organisieren Veranstaltungen, entwickeln und pflegen einschlägige Netzwerke und beobachten den Markt. Zusammen mit dem im Verbund mit regionalen Einrichtungen wirkenden „Photovoltaik-Netzwerk“ und dem Bereich „Nachhaltige Mobilität“ sollen sie den Klimaschutz in Baden-Württemberg weiter voranbringen.

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