21.04.2026

Eine Frage des Respekts

Kommentar zu den verpassten Ladungen in Würzburg

Eine Frage des Respekts

Kommentar zu den verpassten Ladungen in Würzburg

Mit Feststehen der Prüfungskommission kommt die spezielle Vorbereitung mit Examensprotokollen, hier drängt die Zeit. © BillionPhotos.com - stock.adobe.com
Mit Feststehen der Prüfungskommission kommt die spezielle Vorbereitung mit Examensprotokollen, hier drängt die Zeit. © BillionPhotos.com - stock.adobe.com

Laptop-Wechsel mitten in der Klausur; Examensklausuren im Müll gelandet; Durchfallende heißen intern „Blockversager“. Beinahe jeder Examensdurchgang ist mit einer solchen Schlagzeile behaftet.

Nun folgt in Bayern die nächste: 124 Prüflinge erhalten keine Ladung zur Mündlichen. Zunehmend stellt sich in der Studie-rendenschaft die Frage, ob die Ernsthaftigkeit dieser lebensverändernden Prüfung auch denen bewusst ist, die für ihre Umsetzung zuständig sind.

Am 23.06.2025 geht auf der Website des Landesjustizprüfungsamtes (LJPA) Bayern eine Liste mit mündlichen Prüfungsterminen und potenziellen Prüfkomitees online. In Würzburg stellen Examenskandidierende daraufhin fest, dass sie keine Ladungen zu ihrer mündlichen Prüfung erhalten haben. Jene Feststellung kommt auch nur, weil die Liste mit den Terminen eigentlich nach Versenden der Ladungen online gestellt wird.


Zwar werden Telefonnummern veröffentlicht, damit die Studierenden das Problem weitgehend selbst beheben können. Man erfährt jedoch nur entweder mündlich, wer in der entsprechenden Prüfungskommission sitzt, oder erhält die Ladung nach umfassender Datenschutzerklärung doch noch per E-Mail. Für manche endet dieser Eklat darin, dass die Ladung zur mündlichen Prüfung erst nach dem Prüftermin im Briefkasten landet. Auf Nachfrage am Gericht spricht man von einem „bedauerlichen Versehen“, nähere Auskunft scheint niemand geben zu wollen.

Eine Doppelbelastung

Die Konsequenz wird sehr deutlich: Zu dem ohnehin exponentiell steigenden Prüfungsstress kommt nun der Aufwand, den bürokratischen Anforderungen selbst nachzugehen – eine Doppelbelastung, die insbesondere die Studierenden trifft, deren Prüfungstermine Anfang Juli stattfanden. Mit Feststehen der Prüfungskommission kommt die spezielle Vorbereitung mit Examensprotokollen, hier drängt die Zeit. Wer oben im Alphabet steht, hat nur wenige Tage, sich auf das jeweilige Prüfkomitee einzustellen. Fallen dann auch noch Tage durch Patzer im Prüfapparat weg, ist man darauf angewiesen, dass das allgemein Gelernte zur Wunschnote ausreicht.

Die Prüfenden wissen scheinbar nichts von der Sondersituation der Studierenden, eine Rüge zu Beginn der Prüfung wird von den wenigsten eingebracht, kein Prüfling möchte dadurch an Seriosität verlieren oder die Prüfung insgesamt negativ behaften. Umfassend stellt sich daher bei den Würzburger Examenskandidierenden ein Gefühl von Resignation ein, niemand rechnet mit einer Erklärung oder gar Entschuldigung. Die Prüfung ist vorbei, der Eklat damit auch. Das Wording des Gerichts wird nicht weiter infrage gestellt, Fehler können passieren. Ob Fehler passieren dürfen, wenn es um derart wichtige Dokumente geht, ist eine andere Frage.

Besonders in den Examina wird von den Studierenden ein professioneller Auftritt gefordert. Es kann daher keinesfalls zu viel verlangt sein, dieselbe Sorgfalt von den Organisierenden zu fordern.

Das hohe Maß an Eigenverantwortlichkeit der Studierenden kann sich nicht auch noch darauf erstrecken, Fehler in der Organisation zu beheben. Nicht zuletzt das fördert massiv das Misstrauen in deutsche Behörden. Wenn Betroffene erst über einen Artikel in JURios (erschienen am 01.07.2025) offiziell von einem solchen Ereignis erfahren, wird auch die Frage laut: Haben Studierende überhaupt einen Stellenwert für die zuständigen Behörden?

Wenigstens eine Aufarbeitung ist aus studentischer Sicht erwartbar, um derartige Fehler nachhaltig auszumerzen und den kommenden Examensdurchgängen die dazugehörige Aufregung zu ersparen. Eine Entschuldigung an den verpatzten Examensdurchgang wäre zudem ebenfalls mehr als angebracht. Nicht zuletzt hier sollten sich gerade die, die selbst einmal das Wagnis des Examens angetreten sind, die Frage stellen, ob der aktuelle Umgang mit Studierenden dem Aufwand und den Strapazen genug Respekt zollt.

Entnommen aus Recht_reloaded 2/2025.

 

Johanna Oswald

Bundesverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften e.V.