Kommunen warnen vor Finanzkollaps
Das Rekorddefizit ist auf 29,4 Milliarden Euro angewachsen
Kommunen warnen vor Finanzkollaps
Das Rekorddefizit ist auf 29,4 Milliarden Euro angewachsen

Die finanzielle Lage der deutschen Städte, Landkreise und Gemeinden spitzt sich weiter zu. Nach neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes stecken die Kommunen 2025 tiefer denn je im Minus – und schlagen Alarm.
Deutschlands Kommunen haben im vergangenen Jahr ein Rekorddefizit von 29,4 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Damit hat sich das bereits hohe Minus des Vorjahres nochmals erhöht. Der Deutsche Landkreistag (DLT) warnt vor dramatischen Folgen für die Handlungsfähigkeit des Staates auf lokaler Ebene.
„Die Kommunen fahren finanziell das dritte Jahr in Folge und immer stärker auf Verschleiß“, sagte DLT-Präsident Achim Brötel. Rücklagen seien aufgebraucht, Leistungen müssten gestrichen, Instandhaltungen verschoben werden. Brötel mahnt für die kommunale Ebene entschlossenes Handeln von Bund und Ländern an: „Die Zeit des Redens ist vorbei, jetzt muss endlich gehandelt werden.“
Kinder- und Jugendhilfe kostet 20 Milliarden Euro jährlich
Als Hauptgrund für die Defizite nannte der Landkreistag seit Jahren überproportional steigende Pflichtausgaben, insbesondere in der Kinder- und Jugendhilfe, bei der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen und bei der Pflege. Allein die Kinder- und Jugendhilfe koste die Kommunen inzwischen rund 20 Milliarden Euro jährlich – mit Zuwachsraten von über zehn Prozent. Die Hilfe zur Pflege explodiere sogar mit über 20 Prozent jährlichem Anstieg.
Zusätzlich belasten wachsende Personalkosten die kommunalen Haushalte. Diese seien nicht nur auf Tarifabschlüsse zurückzuführen, betont Brötel, sondern auch auf neue Aufgaben, die von Bund und Ländern übertragen werden – etwa im Öffentlichen Gesundheitsdienst oder in der Kinderbetreuung. „Die Kommunen tragen immer mehr staatlich veranlasste Aufgaben, ohne dass die Finanzierung Schritt hält“, so der DLT-Präsident.
Kritisch ist auch die Entwicklung bei den Kassenkrediten: Sie stiegen 2025 um 28 Prozent, bei Landkreisen sogar um 48 Prozent. Viele Kommunen greifen darauf zurück, um überhaupt zahlungsfähig zu bleiben. Brötel spricht von einem „letzten Warnschuss“: „An diesem Punkt entscheidet sich, ob Politik und Verwaltung vor Ort noch funktionieren – und ob die Menschen dem Staat vertrauen.“
Landkreistag fordert sofortige Erhöhung des kommunalen Umsatzsteueranteils
Der Landkreistag fordert daher eine schnelle finanzielle Entlastung. Konkret schlägt der Verband eine sofortige Anhebung des kommunalen Umsatzsteueranteils um zehn Prozentpunkte vor. Das würde der kommunalen Ebene rund 30 Milliarden Euro zusätzlich einbringen – etwa so viel wie das aktuelle Defizit. Sobald strukturelle Reformen auf der Ausgabenseite greifen, könne der Anteil wieder auf sechs Punkte reduziert werden. Auch die Länder seien gefordert, ihrer finanziellen Verantwortung gerecht zu werden.
Quelle: Statistisches Bundesamt; Deutscher Landkreistag,


