13.05.2024

Was zeichnet US-amerikanische LL.M.-Programme aus?

Ein Perspektivwechsel

Was zeichnet US-amerikanische LL.M.-Programme aus?

Ein Perspektivwechsel

An vielen amerikanischen Universitäten werden auf Nachfrage Stipendien angeboten. | © siraanamwong - stock.adobe.com
An vielen amerikanischen Universitäten werden auf Nachfrage Stipendien angeboten. | © siraanamwong - stock.adobe.com

Die Wahl des passenden LL.M.-Programms ist für angehende Jurist:innen eine bedeutende Entscheidung, die nicht nur die fachliche Expertise, sondern auch das finanzielle Budget beeinflusst.

In diesem Beitrag untersuchen wir ausführlich die finanzielle Dimension der Wissensvermittlung. Wir stellen dabei die LL.M.-Programme zweier angesehener Institutionen gegenüber, die unterschiedliche Ansätze verfolgen: die University of Connecticut Law School (UCONN) und die George Washington University Law School (GW).
Obgleich beide Einrichtungen hervorragende akademische Leistungen bieten, stehen sie im Hinblick auf die finanziellen Aufwendungen und das Studienerlebnis in einem interessanten Kontrast zueinander.

Die LL.M.-Programme in Zahlen

Die UCONN liegt im Bundesstaat Connecticut, zwischen New York und Boston. Die Studiengebühren für ein akademisches Jahr betragen 32.978 US-Dollar. Ein „Credit“ kostet 1.326 Dollar. Rechnet man andere Gebühren und Lebenshaltungskosten hinzu, wird der Aufenthalt auf ca. 60.184 Dollar (ca. 55.350 Euro) geschätzt. Hinzu kommt eine Visagebühr von 350 Dollar pro Semester.
Die GW liegt in Washington D.C., der Hauptstadt der USA. Die Studiengebühren für ein akademisches Jahr betragen 58.800 Dollar. Ein „Credit“ kostet 2.450 Dollar. Rechnet man andere Gebühren und Lebenshaltungskosten hinzu, wird der Aufenthalt auf 91.901 Dollar (ca. 84.500 Euro) geschätzt. Die Gebühren steigen jährlich um drei bis fünf Prozent.


Interview mit LL.M.-Graduierten

Im Gespräch erzählen Tim1Tim, 27, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für US-amerikanisches Recht, Professor Dr. Kirk W. Junker, an der Universität zu Köln. Er verbrachte das akademische Jahr 2022/23 an der George Washington University in Washington D.C. und Hannah2Hannah, 23, ist Studentin an der Universität Freiburg. Sie verbrachte das akademische Jahr 2022/23 an der University of Connecticut. von ihrer persönlichen Studienerfahrung mit dem LL.M. an der UCONN bzw. GW.

Könnt Ihr kurz Euren akademischen Hintergrund vorstellen und was Euch dazu bewogen hat, einen LL.M. zu verfolgen?

Tim: Mein akademischer Hintergrund umfasst mein Erstes Examen. Nach meinem Abschluss wollte ich meine juristische Ausbildung mit einem LL.M. fortsetzen, um meine Kenntnisse zu vertiefen und noch einmal etwas Schönes zu machen.

Hannah: Ursprünglich plante ich ein Auslandssemester in Asien, genauer gesagt in Singapur. Aufgrund der Corona-Pandemie mussten jedoch Pläne geändert werden, und so entschied ich mich schließlich für einen LL.M. Im Nachhinein betrachtet war ich jedoch glücklich, da die USA weniger Beschränkungen aufgrund der Covid-19-Situation mit sich brachten.

Für beide Universitäten fallen zusätzlich Reisekosten sowie Visagebühren an. Bei der Wahl der Krankenkasse besteht die Möglichkeit, die Kosten vor Ort durch eine deutsche Auslandskrankenversicherung anstelle einer amerikanischen Krankenversicherung zu reduzieren.

An vielen amerikanischen Universitäten werden auf Nachfrage Stipendien angeboten, wobei die Gebühren teilweise durch Partnerschaften mit deutschen Universitäten anteilig erlassen werden. Zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten ergeben sich durch Stipendien von Organisationen wie Fulbright oder dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Fulbright bietet darüber hinaus ein Reisekostenstipendium an. Bei entsprechender Förderung übernehmen auch Begabtenförderungswerke einen Teil der Studienkosten.

Des Weiteren gewähren private Institutionen wie Kanzleien finanzielle Unterstützung. Studierende, die nicht über eigene finanzielle Mittel oder externe Unterstützung verfügen, haben als alternative Möglichkeit die Aufnahme von Krediten, auch wenn dies mit zusätzlichen Kosten verbunden ist. Studienkredite für ausländische Universitäten sind in Deutschland nicht weit verbreitet, und die KfW fördert nur bis zu einem vierstelligen Betrag.

Warum habt Ihr Euch für die University of Connecticut (UCONN) bzw. George Washington University (GW) für Euren LL.M. entschieden?

Tim: Die Entscheidung für die GW für meinen LL.M. basierte auf verschiedenen Faktoren. Die GW überzeugt mit einem ausgeprägten und etablierten Programm zum Energie- und Umweltrecht mit einer Vielzahl von interessanten Vorlesungen und Dozierenden aus der Wissenschaft und vor allem auch aus der Praxis. Fachliche Gründe waren hier für mich also ausschlaggebend. Neben einem Stipendium, das ich über den e-fellows LL.M.-Day von der GW erhielt, faszinierten mich außerdem die Nähe zum politischen System der USA und die Aussicht auf besondere Praktika und Networking-Möglichkeiten. Nicht zuletzt gestaltete sich der persönliche Kontakt mit den Verantwortlichen im Energie- und Umweltrecht sowie in der Verwaltung der Law School als sehr angenehm und willkommen heißend.

Hannah: Die Möglichkeit, meinen LL.M. nach dem sechsten Semester zu absolvieren, wurde über die Universität Freiburg ermöglicht. Es war das einzige Angebot außerhalb der EU auf der Restplatzbörse.

Wie sah Euer typischer Stundenplan aus, und welche Kurse fandet Ihr besonders ansprechend oder herausfordernd?

Tim: Mein Stundenplan war flexibel, wobei ich täglich ein bis zwei Vorlesungen hatte und die restliche Zeit für Vor- und Nachbereitung, interessante Vorträge und Freizeit nutzen konnte.

Mein Schwerpunkt im Energie- und Umweltrecht erforderte 16 Credits, was mir die Möglichkeit gab, nur noch 5 Credits frei zu wählen. Hier entschied ich mich dann für Vorlesungen, die mich einfach persönlich interessierten (z.B. Project Finance). Mir war es zudem möglich, nebenbei als Hilfskraft für Dean Attanasio (Dekanin im Energierecht) zu arbeiten und im Bereich Elektromobilität für unterrepräsentierte Bevölkerungsteile zu forschen. Außerdem hatte ich die Gelegenheit, im Spring Semester am Environmental Law Institute (ELI) zu arbeiten, was eine große Bereicherung für mich war – hier realisierte sich einer der Gründe, weshalb ich mich für die GW in Washington, D.C. entschieden hatte!

Hannah: Im ersten Semester gestaltete sich mein Stundenplan sehr strukturiert mit zahlreichen regulären Vorlesungen. Dabei besuchte ich die Universität etwa 3-4-mal pro Woche, widmete mich der Nachbereitung der Vorlesungen und absolvierte Klausuren. Im zweiten Semester hingegen wurden die Kurse flexibler. Es standen vermehrt Paper-Writing-Kurse im Fokus, die eine direkte Zusammenarbeit mit den Professor:innen ermöglichten. Besonders herausragend war die intensive Betreuung und Zusammenarbeit mit den Dozierenden.

Mein persönliches Highlight war das Field Placement in der Umwelt-Abteilung des Connecticut Office of the Attorney General. Diese Erfahrung ermöglichte mir, Einblicke in die Arbeitsweise der Behörde zu gewinnen und meine Kenntnisse in allgemeinen Methoden auch auf abgelegene Bereiche anzuwenden. An der Universität konzentrierte ich mich auf Kurse zu Regulation and Compliance sowie auf einen Paper-Writing-Kurs. Die erstmalige intensive Betreuung bei der wissenschaftlichen Arbeit hat meine Begeisterung dafür geweckt.

Welche Ressourcen und Unterstützungsmöglichkeiten hat Euch Eure jeweilige Universität im LL.M.-Programm angeboten?

Tim: Die Universität bietet die üblichen Ressourcen wie eine Bibliothek mit Personal, einschließlich einer Expertin im Energie- und Umweltrecht, und eine gut funktionierende administrative Organisationsstruktur für den LL.M. Die Zusammenarbeit mit einzelnen Fachbereichen, inklusive Dekan:innen, war immer reibungslos und sehr produktiv und lösungsorientiert. Besonders hervorheben möchte ich den LL.M. Career Counselor, der sich die Zeit nahm, jede:n einzelne:n LL.M.-Studierenden kennenzulernen, Lebensläufe zu überprüfen und zu überarbeiten und Karriereberatung zu leisten.

Hannah: Das Student Office erwies sich als äußerst zugänglich und besser erreichbar im Vergleich zu deutschen Universitäten. Allerdings stellte es sich in Bezug auf Praktika gelegentlich als Herausforderung dar, da es an Unterstützung mangelte. Die Ausrichtung lag eher auf JD-Studierenden3Anmerkung der Redaktion: JD steht für Juris Doctor und beschreibt den Studiengang, der auf das amerikanische Bar Exam vorbereitet. und Personen, die den Fokus auf einen längeren Aufenthalt in den USA legen wollten.

Der Beitrag stammt aus „Recht Reloaded 01/2024“ und kann mit einem Klick kostenfrei gelesen werden.

 

Kira Kock

ehem. Vorsitzende des Bundesverbands rechtswissenschaftlicher Fachschaften e.V.
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    Tim, 27, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für US-amerikanisches Recht, Professor Dr. Kirk W. Junker, an der Universität zu Köln. Er verbrachte das akademische Jahr 2022/23 an der George Washington University in Washington D.C.
  • 2
    Hannah, 23, ist Studentin an der Universität Freiburg. Sie verbrachte das akademische Jahr 2022/23 an der University of Connecticut.
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    Anmerkung der Redaktion: JD steht für Juris Doctor und beschreibt den Studiengang, der auf das amerikanische Bar Exam vorbereitet.
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