20.03.2026

Zertifizierung als Instrument zur Förderung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung

Grundlagen, Systeme (FSC & PEFC) und Umsetzung in Deutschland

Zertifizierung als Instrument zur Förderung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung

Grundlagen, Systeme (FSC & PEFC) und Umsetzung in Deutschland

Die Waldzertifizierung ist ein Werkzeug, mit dessen Hilfe der Stand der forstlichen Bewirtschaftung evaluiert, dokumentiert und mit einem Standard verglichen wird. Sie wirkt als marktwirtschaftliches Instrument und basiert auf einer freiwilligen Selbstverpflichtung der Teilnehmer.

Grundlagen der Zertifizierung

Seit der Rio-Konferenz im Jahre 1992 gilt die Zertifizierung nachhaltiger Waldbewirtschaftung als ein Instrument, um der fortschreitenden Waldvernichtung und Waldverwüstung in vielen Ländern der Erde zu begegnen. Ausgangspunkt war die kontroverse Diskussion um die Frage, ob ein Boykott von Tropenholz wirkungsvoll dem Schutz dieser Wälder dient und in Einklang mit dem Anspruch souveräner Staaten auf Nutzung ihrer natürlichen Ressourcen gebracht werden kann. Eine marktkonforme Ant-wort auf die Problemlage ist nicht der Verzicht auf den Einsatz von Tropenholz, son-dern die Zertifizierung nachhaltiger Waldbewirtschaftung (Waldzertifizierung) sowie der vollständigen Verarbeitungskette des Holzes bis zum Endprodukt (Produktkettenzertifizierung). Das dazugehörige Gütesiegel soll dem Verbraucher die Gewissheit geben, dass Holz bzw. Holzprodukte nicht aus Raubbau stammen. Jedes Zertifizierungssystem, das Glaubwürdigkeit beansprucht, muss insbesondere auf klaren Zertifizierungskriterien, auf unabhängiger Überprüfung, auf Kontrollen bis zur Ebene des einzelnen Betriebs sowie auf Sanktionsmöglichkeiten beruhen. Mit seiner bewussten Kaufentscheidung kann der Verbraucher einen aktiven Beitrag zur Erhaltung und nach-haltigen Bewirtschaftung der Wälder leisten.
Aus Sicht der deutschen Waldbesitzenden ist die Zertifizierung in erster Linie als Marketing- und Kommunikationsinstrument zu verstehen, um die ökonomische, ökologische und soziale Glaubwürdigkeit der Waldbewirtschaftung zu dokumentieren. Für Hersteller und Händler von Holz- und Papierprodukten, die an internationalen Märkten operieren, stellt die Zertifizierung einen Wettbewerbsfaktor dar. Dabei ist von besonderer Bedeutung, dass das Zertifizierungssystem auf Akzeptanz bei den Umweltverbänden stößt.

Der Charakter der Zertifizierung als freiwilliges, marktwirtschaftliches Instrument hat sich im Laufe der letzten Jahre dadurch verändert, dass die Zertifizierung zunehmend bei der Teilnahme an staatlichen Förderprogrammen zu einem verpflichtend vorgegebenen Umsetzungs- und Kontrollinstrument wird. So erfolgen beim Förder-programm „Klimaangepasstes Waldmanagement“ die jährlichen Kontrollen bzgl. der Einhaltung der Förderkriterien über die anerkannten privaten Zertifizierungssysteme.
Deutschland liegt zwischenzeitlich im Bereich der Zertifizierung nachhaltiger Waldbewirtschaftung weltweit und im europäischen Vergleich an der Spitze. Auf mehr als 70 % der Waldfläche Deutschlands ist auf freiwilliger Basis eine Zertifizierung erfolgt.


Zertifizierungssystem: Forest Stewardship Council (FSC)

Der Forest Stewardship Council (FSC) ist eine internationale, privatrechtlich organisierte und gemeinnützige Organisation, die 1993 in Toronto gegründet wurde und ihren Sitz heute in Bonn hat. Der FSC setzt sich weltweit für die Förderung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung ein, die umweltgerecht, sozialverträglich und wirtschaftlich tragfähig ist. Die Mitglieder des FSC, natürliche und juristische Personen, sind je nach ihrem Tätigkeitsschwerpunkt der Umweltkammer, der Sozialkammer oder der Wirtschaftskammer zugeordnet (sog. Dreikammersystem). Die Stimmrechte sind je zu einem Drittel auf die jeweilige Kammer verteilt, um die gleichberechtigte Einbindung aller gesellschaftlichen Interessen zu gewährleisten.
Der FSC hat 10 Prinzipien und 56 Kriterien definiert, die internationale Gültigkeit besitzen, anhand derer eine Beurteilung nachhaltiger Waldbewirtschaftung erfolgt. Grundlagen sind die Agenda 21 sowie das Übereinkommen über die biologische Vielfalt. Eine Anpassung an die jeweiligen Gegebenheiten wird durch nationale FSC-Arbeitsgruppen vorgenommen. Der FSC Deutschland wurde am 01.10.1997 gegründet. Der Deutsche FSC-Standard, der vom FSC am 28.11.2001 erstmals anerkannt wurde und zwischenzeitlich mehrere Revisionsprozesse durchlaufen hat, und der FSC-Kleinwaldstandard (für Betriebe unter 100 Hektar) bilden die verbindliche Grundlage für die FSC-Zertifizierung von Forstbetrieben in Deutschland.
Die Zertifizierung erfolgt durch unabhängige Zertifizierungsstellen, die vom FSC akkreditiert werden. Zertifikate werden nach vorheriger Vor-Ort-Prüfung an einzelne Forstbetriebe vergeben. Neben der einzelbetrieblichen Zertifizierung besteht die Möglichkeit einer Gruppenzertifizierung.

Zertifizierungssystem: Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC)

Das Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (Programm für die Anerkennung von Waldzertifizierungssystemen, PEFC), vormals Pan-European Fo-rest Certification, wurde als gemeinnütziger Verein sowohl auf europäischer als auch auf deutscher Ebene im Jahre 1999 gegründet. Ziel des PEFC-Ansatzes ist die Doku-mentation und Verbesserung der nachhaltigen Waldbewirtschaftung im Hinblick auf ökonomische, ökologische sowie soziale Standards unter besonderer Berücksichtigung der durch Familienforstbetriebe geprägten Eigentumsstrukturen. In den nationalen Gremien, die sich aus Vertretern von Organisationen und Verbänden zusammensetzen, können keine Entscheidungen gegen das Votum der Waldbesitzenden getroffen werden.
Die Zertifizierungsstandards auf europäischer Ebene basieren auf den sechs Helsinki-Kriterien sowie auf den Indikatoren und Richtlinien für nachhaltige Waldbewirtschaftung auf operationaler Ebene. National konkretisieren die PEFC-Standards für Deutschland („Leitlinie für nachhaltige Waldbewirtschaftung zur Einbindung des Waldbesitzers in den regionalen Rahmen“), die mehrfach einen Revisionsprozess durchlaufen haben, die Anforderungen an die Waldbewirtschaftung.
Die Zertifizierung erfolgt auf regionaler Ebene, dies sind in Deutschland die Bundesländer. Eine regionale Arbeitsgruppe bestehend aus Vertretern der Waldbesitzenden sowie interessierten relevanten Gruppen erarbeitet einen regionalen Waldbericht. Dieser wird von unabhängigen Zertifizierungsstellen überprüft. Alle Waldbesitzenden in der Region können aufgrund einer Selbstverpflichtungserklärung im Anschluss das PEFC-Zertifikat erhalten. Über eine flächengewichtete Kontrollstichprobe werden ein-zelne teilnehmende Forstbetriebe durch die jeweilige Zertifizierungsstelle überprüft.

Umsetzung in Rheinland-Pfalz

Der Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz führt seit dem Jahre 1999 im Kom-munalwald eine FSC-Gruppenzertifizierung durch. Als Gruppenvertretung nimmt er kommunale Forstbetriebe, welche die erforderlichen Voraussetzungen erfüllen, in die Gruppen auf und führt regelmäßig interne Audits durch. Die beauftragte Zertifizierungsstelle überprüft jährlich die Gruppenvertretung sowie in Form von Stichproben die teilnehmenden Forstbetriebe.
Im Koalitionsvertrag zwischen SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN für die Wahlperiode 2011 bis 2016 war die FSC-Zertifizierung des Staatswaldes vereinbart worden. Der Landtag hat im Jahr 2012 entsprechende Beschlüsse (LT-Drs. 16/943, 16/1759) gefasst. Zur Anwendung kommt eine Gruppenzertifizierung, welche den Staatswald aller Gemeinschaftsforstämter schrittweise aufnimmt und im Februar 2016 abgeschlossen wurde (LT-Drs. 16/3783). In jedem Forstamt findet einmal jährlich ein FSC-Audit statt. Aus Sicht der Landesregierung (LT-Vorl. 18/6954) hat sich das FSC-Zertifikat als wertvolles Werkzeug erwiesen, um transparent darzulegen, dass der Landesbetrieb Landesforsten seine Aufgaben erfüllt. Die FSC-Zertifizierung dient als externes Qualitätsmanagement.
Landesforsten Rheinland-Pfalz wendet seit dem Jahr 2016 einen speziellen FSC-Weihnachtsbaumstandard an (vgl. LT-Drs. 17/13821, 18/1889, 18/4957, 18/8302, 18/ 10923). Das FSC-Label bescheinigt, dass der Weihnachtsbaum ohne Mineraldünger sowie ohne Einsatz chemischer Unkraut- und Insektenbekämpfungsmittel erzeugt wurde. Darüber hinaus werden FSC-Weihnachtsbäume nur kleinflächig und in Mischung mit anderen Baumarten angepflanzt.
Im Rahmen der PEFC-Zertifizierung ist in Rheinland-Pfalz unter Federführung des fachlich zuständigen Ministeriums und des Waldbesitzerverbands in den Jahren 2000, 2005, 2010, 2015 und 2020 jeweils ein regionaler Waldbericht erstellt und anschließend von einer Zertifizierungsstelle begutachtet worden. Auf dieser Grundlage wird den Waldbesitzenden die Möglichkeit zur Teilnahme an der PEFC-Zertifizierung eröffnet.
Die jeweiligen Waldstandards von FSC und PEFC haben sich im Laufe der Jahre mit jeder Standardrevision nach Ablauf von fünf Jahren einander angenähert. Die Unterschiede sind nicht mehr stark ausgeprägt. Bei Pestizideinsatz, Rückegassenabstand, Gastbaumarten sowie Biotop- und Totholz weist PEFC etwas weniger strenge Regeln als FSC auf.
Die Landesregierung kommt im Vergleich beider Zertifizierungssysteme zu folgender Einschätzung (LT-Vorl. 18/6854):
„Für öffentliche Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer, insbesondere für die größeren, ist der gesamtgesellschaftliche Konsens, die gleichberechtigte Integration verschiedenster Interessengruppen in der multifunktionalen Waldwirtschaft, ein besonders wichtiges Kriterium. Hier ist die FSC-Zertifizierung häufig die bessere Alternative.
Für kleinere und insbesondere für private Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer ist meist PEFC die richtige Zertifizierung, zumal sie für kleinere Waldbesitzerinnen und Waldbesit-zer aufgrund des festen Hektarsatzes von 0,18 k finanziell deutlich günstiger ist.“
Im Jahr 2025 sind von insgesamt ca. 800 000 Hektar Waldfläche in Rheinland-Pfalz 278. 000 Hektar bzw. 35 % nach FSC zertifiziert, davon 213 000 Hektar Staatswald, 50 000 Hektar Kommunalwald und 15 000 Hektar Privatwald. Nach PEFC zertifiziert sind 685 000 Hektar bzw. 82 %, davon 219 000 ha Staatswald (Landes- und Bundes-wald), 327 000 Hektar Kommunalwald und 139 000 Hektar Privatwald und forstwirt-schaftliche Zusammenschlüsse. Der Staatswald, aber auch einzelne kommunale und private Waldbesitzende, weisen demgemäß eine Doppelzertifizierung nach beiden Zertifizierungssystemen auf.

Den gesamten Beitrag entnehmen Sie der GvRP Heft 24/2025.

 

Dr. Stefan Schäfer

Forst- und Pressereferent des Gemeinde- und Städtebundes Rheinland-Pfalz