19.05.2026

Meine Zivilstation am Amtsgericht Düsseldorf

Sechs prägende Monate am Amtsgericht Düsseldorf

Meine Zivilstation am Amtsgericht Düsseldorf

Sechs prägende Monate am Amtsgericht Düsseldorf

Der Alltag eines Betreuungsrichters weicht erheblich von dem eines „klassischen“ Spruchrichters ab. | © RealVector - stock.adobe.com
Der Alltag eines Betreuungsrichters weicht erheblich von dem eines „klassischen“ Spruchrichters ab. | © RealVector - stock.adobe.com

Als ich gefragt wurde, ob ich einen kurzen Bericht über eine meiner Stationen im Referendariat verfassen möchte, habe ich darüber nachgedacht, welche Erfahrungen tatsächlich etwas Neues oder zumindest Hilfreiches für andere Referendar:innen bieten könnten. Hier ist das Ergebnis.

Wie so manch anderer hatte auch ich die Möglichkeit, eine spannende Anwaltsstation in einer Großkanzlei in Düsseldorf sowie meine Wahlstation in New York City zu absolvieren. Doch über die Pflichtstationen wird, im Gegensatz zu den Verwaltungs-, Anwalts- und Wahlstationen, auf Foren, Blogs und in Zeitschriften leider nur selten berichtet. Dabei bieten gerade auch die Pflichtstationen die Möglichkeit, den eigenen beruflichen wie persönlichen Horizont zu erweitern. Daher habe ich mich entschieden, über meine sechsmonatige Zivilstation am Amtsgericht Düsseldorf zu berichten. Diese Station hat mir nicht nur spannende Einblicke in den Alltag eines Amtsrichters ermöglicht, sondern mich auch mit dem mir zuvor völlig unbekannten Bereich des Betreuungsrechts vertraut gemacht.

Ich wurde zu Beginn meiner Zivilstation im Oktober 2022 einem Richter am Amtsgericht Düsseldorf zugeteilt, der zu dieser Zeit sowohl eine „klassische“ Spruchrichtertätigkeit ausübte als auch hälftig als Betreuungsrichter tätig war. Diese Kombination eröffnete mir die Möglichkeit, neben den Aufgaben, die Referendar:innen typischerweise übertragen werden – wie das Verfassen von Voten oder die Durchführung einer Beweisaufnahme –, auch an betreuungsrechtlichen Fahrten und Anhörungen teilzunehmen. Die rechtliche Betreuung dient vor allem der Unterstützung von Erwachsenen, die aufgrund einer Krankheit oder Behinderung ihre rechtlichen Angelegenheiten nicht oder nicht mehr selbst wahrnehmen können. Daher weicht der Alltag eines Betreuungsrichters erheblich von dem eines „klassischen“ Spruchrichters ab, denn oftmals kommen die Betreuungsrichter z.B. direkt zum Betroffenen.


Spezialzuständigkeit als Betreuungsrichter

Schon zu Beginn der Station wurde mir die Vielseitigkeit der Betreuungstätigkeit bewusst, denn ich hatte das Glück, während meiner Station einen außerordentlich engagierten Richter zu vielen seiner Termine begleiten zu dürfen. Gemeinsam besuchten wir Altenheime, Einrichtungen für Menschen mit geistiger Behinderung und psychiatrische Kliniken. Dabei ist das Aufgabenfeld der Betreuungsrichter:innen sehr breit gefächert. Sie führen Anhörungen mit Betroffenen durch und entscheiden unter anderem über die Anordnung oder Fortsetzung einer Betreuung. Sie besuchen psychiatrische Fachkliniken und entscheiden über Maßnahmen wie die Unterbringung in solchen Einrichtungen, Fixierungen oder den Einsatz von Bettgittern. Darüber hinaus sind Betreuungsrichter:innen auch in Altenheimen und Wohngruppen unterwegs, um dort Betroffene anzuhören und sich z.B. auch über den Stand der Betreuung zu informieren.

All die unterschiedlichen Begegnungen und Gespräche haben mir gezeigt, wie bedeutsam das Betreuungsrecht für unseren Rechtsstaat ist – und wie wichtig es ist, dass die richtigen Personen diese verantwortungsvolle Tätigkeit ausüben. Denn Betreuer:innen, Betreuungsrichter:innen und Verfahrensbeistände leisten jeden Tag einen entscheidenden Beitrag dazu, die Rechte von Betroffenen effektiv zu schützen und durchzusetzen.

Einen Einblick in einen so wichtigen, aber gleichzeitig unbekannten Bereich der Justiz zu erhalten, war für mich unglaublich wertvoll. Meine Zivilstation wird mir daher auch für immer in sehr guter Erinnerung bleiben. Falls ich eines Tages den Weg in die Justiz einschlagen sollte, bin ich mir sicher, dass das Betreuungsrecht auch dann für mich von großem Interesse sein wird. Deshalb möchte ich jedem, der sich für den Bereich des Betreuungsrechts interessiert, empfehlen, sich in der Zivilstation – auch wenn es nicht immer möglich ist – die Zuordnung zu einer Betreuungsrechtsabteilung zu wünschen.

Entnommen aus Recht_reloaded 2/2025.